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Liebe Studentinnen und Studenten,
Sie interessieren sich für ein PJ-Tertial in der Neurologie in Gelsenkirchen. Die Neurologie bietet spannende Medizin. Die diagnostischen
Fälle werden oft interdisziplinär gelöst. Neben der Erfahrung sind die Ideen, Gedanken und Verbindungen von Einzelnen im Team
oft wichtig. Dazu können Sie als erfahrene Studenten mit Ihren speziellen Kenntnissen häufig schon beitragen. Zusätzlich sind
auch Einsatz und Beharrlichkeit erforderlich, um die Probleme der Patienten nachhaltig zu lösen.
Für Ihre Entscheidung ist es sicherlich nützlich, wenn Sie durch unsere Webseiten stöbern.
Speziell für Ihre Situation als PJler/-in haben wir uns jedoch auch einiges ausgedacht. Wir wissen, dass Sie möglichst viel machen wollen,
gleichzeitig aber nicht in der Routine verheizt werden möchten. Deswegen bleibt die Routinearbeit beim Ärzteteam der Klinik. Mit Ihren
Tätigkeiten sollen Sie in Ruhe an Beispielen lernen können und gleichzeitig die Gelegenheit haben, das Erlebte theoretisch nachzuarbeiten.
Das ist für Ihre spätere Prüfung wichtig.
Das Logbuch der Neurologie soll Struktur in die Ausbildungsinhalte bringen. Zusätzlich werden Sie aber voll ins Ärzteteam aufgenommen und dort
individuell betreut und angeleitet. Wir sind sicher, dass Sie auf diese Weise auch Freude beim Lernen haben werden. Was Sie erwartet, können Sie
hier auch anhand von zwei Fallbeispielen lesen:
- Thrombolyse-Alarm. Die Feuerwehr meldet ein 18-jähriges Mädchen an, in der Schule plötzlich Hemiparese links. Das
Team der Notaufnahme ist inzwischen gut geschult und alle wissen: es kommt auf die door-to-needle Zeit an. Das ist die Zeit zwischen Eintreffen des
Patienten und Beginn der intravenösen Thrombolyse-Therapie zur Auflösung des Blutgerinnels in den intrazerebralen Arterien. Um so früher
um so größer ist die Erholungswahrscheinlichkeit. Es kommt auf jede Minute an und ist nur in den ersten 3 Stunden möglich.
Eine Assistenzärztin steht bereit. Dann kommt die Patienten. Sie kann sprechen, ist aber müde und die linke Seite ist plegisch. Die Lehrerin
ist dabei und fassungslos. Kurz vor dem Abitur. Das Team muss jedoch kühlen Kopf behalten. Jetzt werden nur die wichtigsten Fragen zum Ereignis
und Kontraindikationen gestellt. Schnell am rechten Arm Blut abnehmen und ins Labor für die Blutgerinnungswerte. Dann geht es in die
Computertomographie, um eine Blutung auszuschließen. Die Bilder kommen im Sekundentakt und bieten sofort faszinierenden Einblick in den
Schädel. Auch eine Gefäßdarstellung erfolgt. Soweit alles ok, noch kein Infarkt zu sehen. Dann werden die Eltern angerufen, die
schon unterwegs sind. Wir wollen schnell beginnen und trotzdem vorher mit Ihnen sprechen. Die Therapie kann heilen, hat aber auch Risiken. Die
Eltern geben telefonisch ihr ok. Nochmals Rücksprache mit dem Oberarzt, der inzwischen auch eingetroffen ist. Und dann wird die Anfangsdosis
als Bolus gespritzt, direkt danach der Perfusor für 1 Stunde Laufzeit eingestellt. Und während die Thrombolyse läuft, wird die
Patientin auf die Stroke-Unit, die Schlaganfallstation gefahren und verkabelt. Wir wollen nichts verpassen, optimale Bedingungen schaffen. Nach einer
halben Stunde dann regt sich was, der Arm geht auf der Bettdecke hin und her. Schließlich ein vorsichtiges Winken zu den Eltern. Die
Assistenzärztin schaut reihum in die Augen, der Patientin, der Eltern, des Pflegeteams. Alle sind plötzlich hoffnungsvoll. Es ist ein schönes
Gefühl. Und tatsächlich: 3 Tage später Entlassung und das Abitur wird geschafft. Aber Ärztin möchte die junge Patientin trotzdem
nicht werden, zu viel Verantwortung.
- Unklarer Fall auf der Intensivstation, die Neurologen werden gebraucht. Ein 35-jähriger Mann nach Verkehrsunfall, Unterschenkelfraktur
und Schädelprellung. War schon auf der Allgemeinstation und dann nach 24 Stunden plötzlich Luftnot. Dabei hatte er sich schon so gut erholt,
mit seiner Freundin gescherzt. Erster Verdacht: Lungenembolie. Die Unfallchirurgen veranlassen sofort Röntgen-Thorax - ist unauffällig. Dann
Blutgase, mit niedrigem pO2 und pCO2. Und dann Eintrübung, dass passt nicht so recht. Und wird schlimmer. Bei erträglichen Blutgasen und ohne
Beatmtungsnotwendigkeit sackt die Bewusstseinslage weiter und weiter ab. Jetzt ist der Patient auf der Intensivstation.
Der neurologische Assistent wird dazu gerufen. Der Befund: Patient ist inzwischen tief somnolent. Pupillenreakton, Cornealreflex, okulozephaler Reflex,
trigeminale Schmerzreaktion, Hustenreflex: Hinnerven alle in Ordnung. Schmerzreize an den Extremitäten mit ungezielter Abwehrreaktion. Aber Babinski
rechts positiv, links nicht sicher. Die Freundin in Panik: Was ist los? Was machen Sie?... Bei eigener Besorgnis ist es gar nicht so leicht, beruhigend
zu wirken. Aber es hilft nichts, die Gedanken, das Wissen, den eigenen Kopf: am besten ordnen. Was ist jetzt am besten? Beratung mit den Anästhesisten.
Wir brauchen eine Computertomographie des Kopfes. Ist es sicher ohne Beatmung? Ja, wenn der Anästhesist dabei bleibt. Dann auch gleich ein CT des
Thorax? Ja, wenn der Patient schon mal unterwegs ist. Nochmal Blutgase, eher gebessert. Und dann stehen wir vor dem CT-Bildschirm. Der Kopf erscheint
scheibchenweise, Hochspannung! Und dann Erleichterung und Rätselraten, alles normal! Aber was kann es sein? Jetzt kommt der Thorax, und hier ist was
zu sehen. Aufhellungszonen an verschiedenen Stellen in der Peripherie, die Gefäße alle offen. Lunge, Gehirn. Gehirn, Lunge, Knochen.... Was kann
es sein? Und dann fällt der Groschen, die Vorlesung im siebten Semester Unfallchirurgie. Fraktur langer Röhrenknochen, kann eine Fettembolie
verursachen. Meist nur die Lunge, aber manchmal auch das Gehirn betroffen. Das muss es sein, dass kann es nur sein. Der Anästhesist nickt anerkennend.
Die Freundin ist weiter fix und fertig. Prognose? Schnell an den Computer und in Medline. Fallberichte, Reviews, hier was deutsches von 2004: 12 Fälle
mit cerebraler Beteiligung, fast keine Folgeschäden. Das kann der neurologische Assistent der Freundin schon mal berichten, sie wirkt erleichtert.
Es ist noch ein paar Tage Arbeit, viele Gespräche, mehr Literaturstudium. Es gibt einiges zu lernen an dem Fall. Und der Patient verlässt das
Krankenhaus auf seinen zwei Beinen, die Prognose war, zum Glück, korrekt
An diesen Beispielen wird deutlich: Sie können bei uns was erleben. Wir freuen uns auf Ihre Mitarbeit als PJler/-in bei uns.
PD Dr. Elmar W. Busch
Chefarzt der Klinik für Neurologie
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