Medizinisches Versorgungszentrum - Evangelische Kliniken Gelsenkirchen GmbH
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Radioonkologie und Strahlentherapie


Behandlungsarten
 
Gutartige Erkrankungen
 
Ein Teil von Erkrankungen in der Strahlentherapie sind so genannte gutartige Erkrankungen, also Krankheiten, die nichts mit Tumoren zu tun haben. Dazu zählen schmerzhafte Gelenkerkrankungen, etwa Arthrose der Hüften, der Knie, der Schultern und der Finger.
Ebenso können schmerzhafte Überlastungen, etwa der sog. Tennisellenbogen, gut behandelt werden.
Weitere Erkrankungen sind die endokrine Orbitopathie, die Schrumpfung der Hand- oder Fußsehnenplatte sowie die gutartige Vergrößerung der männlichen Brustdrüse.
Die Strahlendosis beträgt nur einen Bruchteil der Dosis in der Tumorbehandlung.
 
Tumoren des HNO- und Gesichtsbereiches
 
Die Strahlentherapie ist bei einer Vielzahl von Erkrankungen im Kopf- und Halsbereich unverzichtbar. Dabei wird nach der Operation zur Sicherung des Behandlungsergebnisses bestrahlt oder aber davor, um die Tumorgröße zu verringern und eine Resektabilität des Tumors herbeizuführen.
 
Außerdem ist bei Inoperabilität eine alleinige Strahlentherapie möglich. In einer Vielzahl von Fällen kann durch die gleichzeitige Gabe von Chemotherapie die Bestrahlungsempfindlichkeit des Tumors und damit das Behandlungsergebnis verbessert werden.
 
Lungentumoren/Bronchialkarzinome
 
Lungentumoren können, je nach Ausbreitung und Gesundheitszustand des Patienten, operativ, medikamentös oder durch Bestrahlung behandelt werden. In bestimmten Krankheitsstadien ist eine Kombination aus Chemo-therapie/Bestrahlung und chirurgischem Eingriff notwendig.
Die für den einzelnen Patienten geeignete Therapie wird üblicherweise von allen an der Behandlung beteiligten Ärzten gemeinsam festgelegt.
 
Brustkrebs/Mammakarzinom
 
Brustkrebs ist in Deutschland leider die häufigste bösartige Erkrankung der Frau. Durch intensive wissenschaftliche Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten wurden die Heilungsraten verbessert. Brusttumoren werden heute in engster Zusammenarbeit der beteiligten Ärzte in Brustzentren behandelt. Damit wird die erforderliche Qualität (ausgebildete Mitarbeiter, Geräteausstattung, Behandlungsabläufe) garantiert.
Durch eine der Tumorentfernung folgende Bestrahlung kann in einer Vielzahl der Fälle das gleiche Ergebnis wie durch eine Brustamputation erreicht werden. Die Strahlentherapie erfolgt dabei nach Operation und Chemotherapie oder, wenn diese nicht erforderlich ist, kurze Zeit nach der Operation.
 
Nach Entfernung der Brust ist bei einem Teil der Patientinnen auch eine Bestrahlung der Brustwand nötig.
 
Das Ausmaß der Bestrahlung wird je nach Krankheitsstadium festgelegt und orientiert sich an den Leitlinien der Fachgesellschaften für Gynäkologie und Strahlentherapie.
 
Meist wir über einen Zeitraum von 6 Wochen 5x/Woche behandelt. Der größte Teil der Patientinnen wird ambulant behandelt. Kommt also zu einem festgelegten Termin und ist kurze Zeit später wieder zu Hause. Die Bestrahlung der Brust ist relativ nebenwirkungsarm. Es kommt jedoch gelegentlich zu Rötungen der Haut im Bestrahlungsbereich. Mit entsprechender Pflege sind diese gut beherrschbar und hinterlassen keine dauerhaften Schäden. Natürlich dürfen alle Patientinnen ihre gewohnte Körperhygiene betreiben. Es besteht in unserer Abteilung kein "Waschverbot und keine Puderpflicht".
 
Brustkrebs ist im Übrigen keine alleinige Erkrankung der Frau, sondern tritt auch bei Männern, jedoch im wesentlich geringeren Umfang auf! Die Behandlung ist dann sehr ähnlich.
 
Gynäkologische Tumoren
 
Je nach Art und Ausdehnung eines Tumors kann die Strahlenbehandlung individuell gewählt werden, wobei sowohl externe wie auch interne Bestrahlungstechniken zur Anwendung kommen.
Teletherapie und Brachytherapie werden z.B. bei Gebärmuttertumoren miteinander kombiniert. Als Teletherapie wird eine von außen verabreichte Bestrahlung mit Hilfe von Linearbeschleunigern bezeichnet. Noch vor wenigen Jahren konnte dabei wenig gezielt behandelt werden. Heute gestattet die computertomographie- gestützte und 3D-geplante Simulation die Berücksichtigung der exakten anatomischen Verhältnisse der betroffenen Patientin. Verabreicht werden beispielsweise 50 Gy, wofür mindestens 25 einzelne Behandlungen zur Bestrahlung erforderlich sind. An Nebenwirkungen ist der innerliche "Sonnenbrand" mit nachfolgender Entzündungsreaktion zu nennen, der ebenso wie der Tumorzerfall zur typischen Müdigkeit führt. Das Senken der Dosis würde zu einer Reduzierung der Komplikationen führen, allerdings um den Preis einer erhöhten Rezidivrate. Die Brachytherapie kommt bei der inneren Bestrahlung zum Einsatz. Hierbei unterscheidet man zwischen intrakavitärer und interstitieller Lokaltherapie. Entweder wird dabei ein Strahler ferngesteuert in vorhandene Körperhöhlen wie Vagina, Gebärmutterhals und Inneres der Gebärmutter eingebracht. Bei der interstitiellen Bestrahlung wird der Strahler mit kleinen Eingriffen in die Gewebsstruktur (z.B. Prostata) eingebracht und danach die Bestrahlung durchgeführt. Als Strahlenquelle wird in den meisten Fällen 192 Iridium angewendet.
 
Zur Steigerung der Strahlenempfindlichkeit wird die Behandlung in bestimmten Krankheitsstadien mit Zytostatika verstärkt.
Teletherapie und Brachytherapie werden bei gynäkologischen Tumoren häufig kombiniert, weil dabei die Vorteile der beiden Methoden gut vereint werden.
 
Tumoren der Verdauungsorgane
 
Die Strahlentherapie kann bei Tumoren der Speiseröhre an Stelle einer Operation erfolgen, wenn die Risiken einer Operation überwiegen oder keine Entfernung erreichbar erscheint. Dabei zielt die Behandlung darauf ab, das bösartige Geschehen zu vernichten und eventuell eine Heilung herbeizuführen Die Aussichten sind dabei leider nicht so günstig wie bei einer operativen Therapie.
 
Bei großen Tumoren kann die Bestrahlungsbehandlung in Kombination mit einer Chemotherapie vor einer Operation (neoadjuvante Strahlen-Chemotherapie) durchgeführt werden. Ziel ist es, den Tumor so weit zu verkleinern, dass er anschließend vollständig entfernt werden kann.
 
Bei einer unheilbaren Erkrankungssituation ohne Aussicht auf eine Genesung kann eine Strahlenbehandlung zur Verbesserung der Lebensqualität durch Linderung von Beschwerden beitragen.
 
Die Bestrahlung wird mit den Röntgenstrahlen des Linearbeschleunigers durchgefüht und nimmt einige Wochen in Anspruch.
 
Rektumkarzinom
 
Beim Rektumkarzinom (Enddarmkrebs) muss in bestimmten Krankheitsstadien eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie vor oder nach der Operation erfolgen. Das Auftreten eines Lokalrezidivs kann durch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie etwa um die Hälfte gesenkt werden. Die mit der Strahlentherapie verabreichte Chemotherapie verstärkt die Wirkung der Bestrahlung und hat einen günstigen Einfluss auf eventuell schon im Körper ausgestreute Tumorzellen. Eine Radiochemotherapie nach Tumorentfernung war bisher das übliche Vorgehen und wird zunehmend durch den Einsatz der Strahlen- und Chemotherapie vor der Operation abgelöst. Wird vor der Operation ein fortgeschrittener Tumor festgestellt, dann hat die Radio-Chemotherapie (oder alleinige Strahlentherapie) wissenschaftlich nachgewiesene günstige Effekte, da sie dann eine höhere Rate an kompletten Tumorentfernungen ermöglicht. Eine derartige Vorgehensweise wird auch neoadjuvante Therapie genannt. Außerdem ist die Bestrahlung vor Operation besser verträglich als nach einem ausgedehnten chirurgischen Eingriff
 
Bauchspeicheldrüsentumoren/Pankreaskarzinome
 
Die Bestrahlung kommt bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse entweder allein oder in Kombination mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) zum Einsatz. Sie hat im Wesentlichen die Verkleinerung des Tumors zum Ziel. In manchen Fällen kann damit sogar eine komplette Remission, also ein vollständiges Verschwinden des Tumors, erreicht werden.
 
Häufiger als zur Verkleinerung oder zur Vernichtung des Tumors wird die Strahlentherapie daher als palliative, eine Beschwerden lindernde Behandlung von Tumorsymptomen eingesetzt.
 
Im Rahmen von Studien wird derzeit geprüft, ob eine Bestrahlungsbehandlung vor oder nach der Operation den Behandlungserfolg festigen und die Rückfallwahrscheinlichkeit senken kann. Die Bestrahlung wird in diesem Fall mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) kombiniert. In aller Regel erfolgt die Strahlentherapie von außen durch die Haut. Eine weitere Technik, die sich jedoch noch im Erprobungsstadium befindet ist die intraoperative Bestrahlung. Direkt nach Entfernung des Tumors wird eine einmalige Strahlendosis an der Stelle, wo der Tumor entnommen wurde, verabreicht. Der Erfolg dieser Methode ist aber noch nicht wissenschaftlich ausreichend belegt. Diese Behandlung wird nur an spezialisierten Zentren durchgeführt.
 
Magenkrebs
 
Die Strahlentherapie wird bei Magenkrebs gelegentlich eingesetzt, wenn die Operation eines Patienten nicht durchgeführt werden kann oder eine Chemotherapie erfolglos bleibt. Die Strahlentherapie dient dabei in erster Linie der Schmerz- und Symptombehandlung.
 
In jüngster Zeit wird die Strahlentherapie in Kombination mit einer Chemotherapie auch zusätzlich zur Operation durchgeführt. Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren kann sie zusätzlich zur Chemotherapie zu einer Verkleinerung des Tumors beitragen und damit die vollständige Entfernung bei der Operation erleichtern (präoperative Chemo-Radiotherapie). Sie scheint jedoch das Risiko für Komplikationen nach der Operation zu erhöhen. Deshalb ist der Einsatz erfahrenen Zentren vorbehalten. Nach einer kompletten Tumorentfernung soll die Chemo-Radiotherapie einen Rückfall der Tumorerkrankung verhindern. Dies ist jedoch bisher nur dann erwiesen, wenn die Operation nur eingeschränkt, d.h. ohne Entfernung der umgebenden Lymphknoten erfolgt ist. Die Wirksamkeit nach vollständiger Tumorentfernung ist hingegen nicht erwiesen.
Trotz einer sorgfältigen Therapie muss während der Strahlenbehandlung von Verdauungsorgantumoren mit einigen unerwünschten Begleiterscheinungen gerechnet werden. Diese können schon unmittelbar während der Therapie auftreten (z.B. Durchfall, Übelkeit) oder sich erst Wochen oder Monate nach der Behandlung bemerkbar machen. Der größte Teil dieser Beschwerden kann gut behandelt werden oder bedeutet nur eine geringe Einschränkung.
 
Hirntumoren
 
Hirntumoren sind seltene Erkrankungen. Dabei entarten hirneigene Zellen. Die Beschwerden von Hirntumoren können sehr unterschiedlich sein und variieren mit der Lage des Tumors im Gehirn. Häufig werden Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, Schwindelattacken oder auch Verwirrtheit beklagt. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher feingeweblicher Bilder, z.B. Astrozytome, Oligodendrogliome, Meningeome, Glioblastome oder auch Lymphome.
 
Neben einer neurochirurgischen Resektion ist in Abhängigkeit von der Art des Tumors eine Bestrahlung, ggf. in Kombination mit Chemotherapie erforderlich. Die Entscheidung über die Vorgehensweise der Behandlung wird dabei von den beteiligten Ärzten (Neurochirurg, Strahlentherapeut, Onkologe) gemeinsame getroffen. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Stereotaxie. Als "Chirurgie ohne Messer" wird in Hochpräzisionstechnik das Tumorgewebe zerstört. Spezielle Zentren bieten eine derartige Behandlungsmöglichkeit an. Für den Fall, dass eine stereotaktische Strahlentherapie die Methode der Wahl ist, nehmen wir mit einem entsprechenden Zentrum Kontakt auf.
 
Metastasen
 
Metastasen sind Tochtergeschwülste des ursprünglichen Tumors, die sich in entfernten Organen absiedeln. Ohne eine Behandlung wachsen sie sehr schnell und verursachen lokale Komplikationen.
Metastasen entstehen entweder durch Einwachsen in benachbarte Organe oder durch Einbruch in das Lymph- und/oder Gefäßsystem des Körpers.
 
Einige Organe, z.B. Leber, Lunge, Knochen, Nebennieren oder das Gehirn werden besonders häufig von Metastasen betroffen, da sie über zahlreiche Lymphbahnen verfügen oder gut durchblutet werden.
Neben Operationen, Chemo- und Hormontherapie oder einer Bisphosphonattherapie ist auch hier die Strahlentherapie eine Behandlungsmöglichkeit.
Leider kann bei einer Metastasierung nur in sehr wenigen Fällen noch eine dauerhafte Heilung erzielt werden. Das wichtigste Therapieziel in diesem Krankheitsstadium ist die Verhinderung von Lokalkomplikationen und die Verbesserung der Lebensqualität des Erkrankten.